Otterstedter See

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Badefreuden im Juni 2012

Seit Jahren wird am Otterstedter See „herumgedoktert“, ohne dass eine nachhaltige Verbesserung der Wasserqualität erreicht werden konnte. Diese Seite soll dazu dienen, die verschiedenen Ansatzpunkte zusammenzustellen und somit zu einer Lösung des Problems beizutragen.

 

Bevor wir unterschiedlichen Lösungsansätze als Dateidownload zur Verfügung stellen, platzieren wir einen grundlegenden Beitrag von Dr. Jochen Bertzbach aus dem Jahre 2009 in Form einer sogenannten Akkordeonbox, d. h. es werden zunächst nur Thesen dargestellt, den ausführlichen Text können Sie durch Anklicken aufrollen.

Weiter unten finden Sie eine Zusammenstellung von Artikeln aus der Marktrundschau von 1996 bis 2012 zum Thema als PDF-Datei. Zudem gibt es einen Link zur Homepage der Seeinitiative, die ihrerseits einen unmfangreichen Pressespiegel zur Problematik des Sees zusammengestellt hat. Letztlich finden Sie bei uns auch den aktuellen Antrag der CDU zur Verbesserung der Seesituation, denn uns ist an einer Lösung gelegen, nicht an parteipolitischer Konfrontation.

Gewässerökologie, hier Otterstedter See, eine Zusammenstellung von Jochen Bertzbach

Die Wasserqualität eines Sees wird im Wesentlichen vom Nährstoffgehalt des Wassers bzw. der Throphie bestimmt.

Die Throphie bezeichnet die Intensität der  pflanzlichen Produktion im Gewässer, wobei die Throphiestufen oligothroph, mesothroph und euthtoph unterschieden werden.

Oligothrophe Gewässer sind sehr nährstoffarm, euthrophe Gewässer sind sehr nährstoffreich und ermöglichen damit eine starke Entwicklung von Phytoplankton (Pflanzliches Plankton. Überwiegend bestehend aus kleinen Algen). Neben Stickstoff ist Phosphor, der als gelöstes Phosphat als Nährstoff benötigt wird, der entscheidende Faktor für das Wachstum der Algen.
Neben der Nährstoffproblematik sind für die Wasserqualität eines Sees weiterhin der Sauerstoffgehalt, der p H. Wert, die Wassertemperatur u.a. wichtige Kriterien.
 

Die Nährstoffeinträge resultierten in früheren Zeiten u.a. durch Abflüsse aus den Klärsystemen der Wochenendhäuser. Heute sind es im Wesentlichen Einträge durch Regen, Laub, Badegäste, Koteinträge von Wasservögeln, Oberflächenwasser u.a. Durch die dadurch bedingten über Jahrzehnte stattfindenden pflanzlichen Produktionsprozesse ist das z.T. sehr mächtige  Sediment des Sees stark mit organischem Material belastet.

 

Der Phosphor hat nun, wie schon gesagt, eine Schlüsselstellung als Nährstoff im Gewässer.
Je geringer der Phosphorgehalt, desto niedriger das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen.
Phosphor liegt im Wasser als gelöstes Phosphat –Ion vor, und wird in dieser Form von den Pflanzen aufgenommen.
Nicht benötigter Phosphor verbindet sich im sauerstoffhaltigen Wasser mit Eisen zu Eisenphosphat, das sich am Seeboden ablagert. Solange Sauerstoff bis zum Boden vorhanden ist, kann ein beträchtlicher Teil des Phosphors festgelegt werden. Bei Sauerstoffmangel jedoch löst sich das Eisenphosphat auf und der Phosphor steht wieder als lösliches Phosphat den Pflanzen zur Verfügung.

Der Sauerstoffgehalt des Sees hat also auch entscheidende Auswirkungen u.a. für den Kreislauf des Phosphors.
Die Sauerstofflieferung des Sees geschieht hauptsächlich an der Wasseroberfläche aus der Luft (Diffusion) und in der belichteten oberen Wasserschicht durch die Photosynthese der Algen und der Wasserpflanzen. Der sauerstoffverbrauchende Abbau der abgestorbenen organischen Substanz durch Bakterien geschieht überwiegend in den tieferen Schichten des Sees.
Die Sauerstoffverteilung im See erfolgt nun in erster Linie durch Wasserbewegungen und Wasserumwälzungen. Während im Winter und Frühjahr der Wasserkörper des Otterstedter Sees besser durchmischt ist, kommt es während des Sommers zur Ausbildung einer Temperaturschichtung. Der Wasserkörper teilt sich in eine warme durchmischte Oberflächenschicht (Epilimnion) und einer kalten nicht durchmischten saustoffarmen Unterschicht (Hypolimnion).
Dieser Sauerstoffmangel in der wenig belichteten Unterschicht  ist insbesondere auf die sauerstoffzehrenden Abbauprozesse des Phytoplanktons zurückzuführen.
Dies hat zur Folge, dass im Sommer das im Sediment unter den dort sauerstofflosen reduzierenden Bedingungen abgelagerte Phosphat wieder gelöst wird.
Im Sommer und Herbst 2002 und den folgenden Jahren wurden im Otterstedter See vermehrt Blaualgen festgestellt, die im Jahre 2004 zur Einstellung des Badebetriebes führten.
Das Auftreten von Blaualgen in der wärmeren Jahreszeit ist ein weit verbreitetes Problem in Badegewässern. Hauptursache ist die Nährstoffanreicherung in den Gewässern und hier insbesondere der Phosphor. Andererseits wird dieses Phänomen auch in sonst kaum beeinflussten Waldseen beobachtete.

„Blaualgenblüten können längere Zeit andauern. Ursache hierfür ist u.a. die Tatsache, dass Blaualgen Toxine enthalten, die nicht nur auf den Menschen, sondern auch auf das Zooplankton giftig bzw. abweisend wirken, und dass Blaualgen außerdem zu groß, bzw.  fädige Blaualgen zu lang sind, sodass sie vom Zooplankton kaum gefressen werden. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu anderen Algenarten, die in der Regel vom filtrierenden Zooplankton aus dem Wasser filtriert und gefressen werden können, So kommt es in einem See auch zu den manchmal sehr schnell wechselnden Algenpopulationen“ (Zitiert nach Dr. Nowak).

Für den Otterstedter See, genutzt als Badesee und wichtig für die Naherholung, musste also etwas getan werden und so wurde 2003 vom Limnologischen Institut Dr. Nowak ein Sanierungskonzept entwickelt.
Den Sanierungsmaßnahmen vorangestellt waren Bemühungen, die externen Nährstoffeinträge zu reduzieren durch Aufklärung der Anwohner und  durch Verhinderung von Einträgen aus der Umgebung, von Plätzen und Wegen.
Als weiterer Schritt wurde vorgeschlagen, nährstoffreiches Tiefenwasser über den Aalgraben abzuleiten. Untersuchungen hatten eindrucksvoll gezeigt, dass im Tiefenwasser die Nährstoffgehalte und insbesondere die Phosphorgehalte stark angestiegen waren.
Diese Maßnahme wurde über 3 Jahre durchgeführt.
Aus den Ergebnissen war dann zu erkennen, dass das Tiefenwasser im Laufe der Zeit des Abpumpens immer weniger phosporhaltig war und das Abpumpen damit uneffektiv wurde.
Ein Absenken des Gesamtphosphorgehaltes auf unter 30 g/l im freien Wasser, so wie es Dr. Nowak für notwendig hält, war mit diesem Verfahren offensichtlich nicht möglich. Auch auf eine Belüftung des Tiefenwassers, um den Phophor als Phosphat zu binden, wurde verzichtet.

2006 bot sich ein ganz neues Produkt zur Phosphateliminierung in Gewässern an, das von Dr. Novak der Öffentlichkeit detailliert vorgestellt und zur Anwendung empfohlen wurde. Der Grundstoff ist Bentonit, ein natürliches Tonmineral, das mit einer Lanthanlösung vorbehandelt wird und in Deutschland unter dem Namen Bentophos von einer australischen Firma vertrieben wird.
Lanthan geht mit Phosphat eine nahezu unlösliche Verbindung ein, es bindet also das Phosphat.
In der Praxis sieht die Anwendung so aus, dass das Granulat gleichmäßig auf die Wasseroberfläche gesprüht wird und während des Absinkens das gelöste Phosphat im Wasser bindet. Auf der Sedimentoberfläche entsteht eine durchgängige lockere Schicht, die das weitere aus dem Sediment freigesetzte Phosphat festlegt.
Eine Nachteilige Beeinflussung des Ökosystems „Otterstedter See“ wird ausgeschlossen. Das belegen zumindest alle bisher in anderen Ländern durchgeführten Applikationen mit Bentophos.

Die Ergebnisse der Untersuchungen nach der Bentophosapplikation werden in einem Monitorprogramm vom Dezember 2008 vom Institut Dr. Nowak positiv bewertet.

So ist u.a. bisher folgendes erreicht worden:

• Der Nährstoff  Phosphat konnte im Wasserkörper stark begrenzt werden, so wurde eine verringerte Produktion von Biomasse gemessen.
• Die Remobilisierung von Phospor aus dem Sediment ist durch die Bentophos-Schicht weitgehend unterbunden worden
• Es gibt keine erkennbaren negativen Auswirkungen auf Flora und Fauna des Otterstedter Sees durch den Einsatz von Bentophos..

Im Otterstedter See hat sich bezogen auf den Nährstoffgehalt ein dauerhaft mesothropher bis schwach euthropher Zustand eingestellt.
 

Jochen Bertzbach im Mai 2009

Verfügbare Downloads Format Größe
Der Otterstedter See im Spiegel der Marktrundschau von 1996 - 2012 PDF 193 KB
Antrag der CDU vom 3. Juli 2012 zur Sanierung des Otterstedter Sees. PDF 69 KB