Interview mit Tim Jesgarzewski

Tim Jesgarzewski

Die neuerliche Festlegung von Wahlkreisgrenzen durch die CDU/FDP-Regierung hat zu dem Ergebnis geführt, dass bei der Landtagswahl am 27. Januar 2008 mit Oyten und Ottersberg zwei Orte des Landkreises Verden zum Wahlkreis Osterholz gehören. Auch aus diesem Grund tritt in Ottersberg bei dieser Landtagswahl erstmals Dr. Tim Jesgarzewski aus Osterholz an. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Ottersberg, Veit-Gunnar Schüttrumpf, führte aus diesem Anlass das folgende Interview mit dem Direktkandidaten:

Schüttrumpf: Du bist in Osterholz als SPD-Ortsvereinsvorsitzender und als Unterbezirksvorsitzender sowie als Mitglied im Rat der Stadt Osterholz-Scharmbeck und im Kreistag des Landkreises Osterholz relativ bekannt. Dagegen bis Du in Ottersberg und Oyten naturgemäß eher noch ein Neuling. Ist das ein Nachteil?

Jesgarzewski: Natürlich kennen mich die Leute in Oyten und Ottersberg am Anfang kaum. Das heißt es dann eher: „Tim „wie heißt der genau“. Aber ich habe bei allen bisherigen Veranstaltungen wirklich eine positive Resonanz erfahren. Außerdem dürfen wir in der Politik nicht stur in Gebietsgrenzen denken, die meisten Probleme sind sowieso überregionaler Natur. Ein Beispiel: Ein Bürger aus Lilienthal (Landkreis Osterholz) wird sich eher für Fragen zum Schutz der Fischerhuder Wümmewiesen (Landkreis Verden) interessieren, als ein Bürger aus Verden. Wichtig ist am Ende, was ein Kandidat an Antworten auf die Fragen der Bürger zu bieten hat, nicht wo er herkommt.

Schüttrumpf: Gibt es für Dich bestimmte Prinzipien bezüglich Deiner zukünftigen Arbeit für den Wahlkreis?

Jesgarzewski: Ganz klar: Der Vertreter des Wahlkreises muss aus dem Wahlkreis heraus nach Hannover agieren, nicht umgekehrt. Das habe ich während der vergangenen Wochen auch bei vielen Gesprächen mit Bürgern gehört. Da besteht der Eindruck, dass momentan eher Botschaften aus Hannover in den Wahlkreis überbracht werden. Das muss auch gemacht werden, aber in erster Linie ist ein Direktkandidat der Vertreter seiner Wähler!

Schüttrumpf: Hast Du dafür ein konkretes Beispiel?

Jesgarzewski: In einigen Gemeinden des Landkreises Osterholz ist es zu deutlichen Anstiegen in der polizeilichen Kriminalstatistik gekommen, was offensichtlich einen Zusammenhang mit der unseligen Polizeireform 2004 hat, bei der 20 Beamte aus dem Landkreis Osterholz abgezogen wurden. Was macht der aktuelle CDU Wahlkreisabgeordnete?
Er fragt freundlich beim Innenminister Schünemann von der CDU nach, ob der das auch so sieht. Logischerweise sagt der, alles ist prima und der CDU-Wahlkreisabgeordnete meint, das ist dann so in Ordnung. So kann es nicht laufen! Der Wahlkreisvertreter muss alles für eine Verbesserung der Situation in seinem Wahlkreis tun, nichts anders!

Schüttrumpf: Innere Sicherheit ist ja eigentlich nicht gerade ein klassisches SPDThema...

Jesgarzewski: ... Jedes Thema, das für die Bürger wichtig ist, ist ein wichtiges Thema...

Schüttrumpf: ... gibt es für Dich Bereiche, die Dir besonders am Herzen liegen?

Jesgarzewski: Gerechtigkeit, das klingt zwar pauschal, aber ist aktueller denn je. Ob es das Thema Mindestlohn ist - wer Vollzeit arbeitet, muss auch davon leben können - oder das Thema Bildung und Ausbildung. Ich bin der festen Überzeugung, dass Niedersachsen wieder gerechter werden muss.

Schüttrumpf: Ein Beispiel?

Jesgarzewski: In Niedersachsen geht es auch in der Bildung nicht gerecht zu. Die beste Bildung und Ausbildung erhalten Kinder, deren Eltern reich und selbst gut gebildet sind. Das hat auch PISA wieder eindrucksvoll aufgezeigt. Eine gute Bildung ist aber der Schlüssel zu einer guten Zukunft. Und gute Bildung muss für alle möglich sein. Deshalb kann die Kostenfreistellung des letzten Kindergartenjahres nur ein erster Schritt sein – auf dem Weg zum gebührenfreien Kindergarten. Eltern müssen die Chance haben, ihre Kinder von Anfang die beste Ausbildung mit auf den Weg geben zu können – unabhängig vom Geldbeutel.

Schüttrumpf: Was ist das Wichtigste für den privaten Tim Jesgarzewski?

Jesgarzewski: Die Familie, ganz klar. Wenn ich am Wochenende mit meiner Frau und meinem einjährigen Sohn am Frühstückstisch sitze, dann wird vieles andere relativ!

Schüttrumpf: Und wie schätzt Du Deine Chancen im Wahlkreis ein?

Jesgarzewski: Es wird knapp, aber in jedem weiteren Gespräch mit den Bürgern des Wahlkreises gewinne ich mehr und mehr den Eindruck, dass ein neuer Vertreter des Wahlkreises gewünscht wird, der derzeitige CDU-Wahlkreisabgeordnete hat in den letzten Jahren eben nicht überzeugt. Wenn wir es also schaffen, unser Potenzial zu nutzen und unsere Wähler sich entsprechend an der Wahl beteiligen, dann bin ich sicher, dass wir den Wahlkreis für die SPD holen!

Schüttrumpf: Und was machst Du am 27. Januar abends?

Jesgarzewski: Ich feiere den Wahlerfolg der niedersächsischen SPD und den Gewinn des Wahlkreises Osterholz / Oyten / Ottersberg!

Schüttrumpf: Danke für das Gespräch und viel Erfolg