"Der Kasten muss weg"
08. September 2010 1 KommentarRadikale Lösungsvorschläge beim jüngsten SPD-Stammtisch
Exakt ein Dutzend politisch Interessierte fanden sich beim jüngsten Stammtisch der Ottersberger SPD in Otternklause zum Klönschnack ein. Und es ging ziemlich hoch her in den zwei Stunden, in denen es sich vorwiegend um die Entwicklung des Ortes drehte.
Recht knapp wurde lediglich die Frage eines Bewohners nach den Gründen für die Sperrung des Wiesteweges behandelt. Dieser sei zwar in Privateigentum, doch wäre das noch lange kein Grund, den Zugang zur sich anschließenden Natur mit Stacheldraht zu versperren. Der Fall wurde notiert und wird nun Gegenstand einer der nächsten Fraktionssitzungen sein, zumal den Anwesenden keine Detailkenntnisse in dieser Sache vorlagen.
Ganz anders sah das bei den Haupthemen des Abends aus: Gewerbeansiedlung und Verkehrskonzept. Große Zustimmung erhielt ein ortsansässiger Immobilienmakler, als er die mangelnde Attraktivität Ottersbergs beklagte. Man müsse von etlichen Millionen Euro Wertverlust ausgehen, weil viele Häuser – vor allem an der Großen Straße – durch die untragbare Verkehrssituation entweder gar nicht mehr zu verkaufen wären oder zu einem völlig unzureichenden Preis. Darum käme man an einer Umgehungsstraße langfristig nicht vorbei. Eine mögliche Trasse könnte vom östlichen Ortseingang zur Fa. Buss und weiter über Kampe bis schließlich zur Waldorfschule führen.
Manfred Kallendorf von der SPD wies darauf hin, dass seine damalige Fraktion bereits im September 2004 in ihrer Prioritätenliste zur Dorferneuerung den Rückbau der angesprochenen Straße als vordringlich angesehen habe. Hier gäbe es gute Beispiele aus anderen Orten mit ähnlichen Problemen wie Hassbergen (Kreis Nienburg), wo eine Straßenverkleinerung gut gelungen sei.
Mit einem uneingeschränkten Kopfschütteln reagierte die Runde auf den Schandfleck des Zentralortes schlechthin: der alles erdrückende kubusartige „Klotz“ des ehemaligen Kortlanggebäudes. Seit Jahrzehnten würde mit diesem hässlichen Bauwerk jede Gestaltungsmöglichkeit des Dorfzentrums unmöglich gemacht. In diesem Punkt dürfe nicht eher locker gelassen werden, bis der Eigentümers das Gebäude zum Abriss freigibt.
Die SPD-Fraktion will sich auch hierum in absehbarer Zeit kümmern, wenngleich die Aussichten, zu einem kurzfristigen Erfolg zu kommen, nicht sehr groß scheinen. Zum Nulltarif ist ein Rückbau wohl kaum zu haben. Und Geld hat Ottersberg momentan bekanntlich nicht im Überfluss. Trotzdem käme man um einen neuen Anlauf nicht herum.
Nicht verschwiegen wurden in der Diskussion einige der unzweifelhaften Vorzüge Ottersbergs, die es allerdings auch herauszustellen gelte. So brächte die Waldorfschule viele Zuzüge von jungen Familien, Fischerhude besäße ohnehin eine große Attraktivität für Bauwillige und der sehr erfolgreiche TSV Ottersberg spiele in einer Liga mit Fußballvereinen von mittelgroßen Städten.
Um die Gewerbeansiedlung voranzubringen, müssten zunächst einmal Bauflächen geschaffen werden. So könnten die Nachbargemeinden Oyten und Sottrum mit ungleich größeren Arealen aufwarten. Zudem sei die Bewerbung dieser Flächen intensiver und erfolgreicher. In Oyten würde für die Ansiedlung von neuen Betrieben sogar extra ein sogenannter „Headhunter“ beschäftigt, wie eine Vertreterin des VdSO zu berichten wusste.
Auf der Ottersberger Homepage des Fleckens ist dagegen weder unter dem Menüpunkt „Wirtschaft“ noch unter dem Button „Gewerbeflächen“ etwas Brauchbares zu finden.
Man war sich in der Runde einig: Es gibt viel zu tun in Ottersberg. Neben der kleinschrittigen Alltagsarbeit müsse vor allem eine Vision von einem lebens- und liebenswerten Dorf geschaffen werden. Hieraus könne man Kraft und Kreativität schöpfen für die große Aufgabe, die Anziehungskraft des Ortes zu steigern.
Manfred Kallendorf
Anmerkungen:
Über die Punkte "Wiesteweg", "Kortlang-Gebäude" und "Rückbau der Großen Straße" gab es am 30.09.10 ein Gespräch mit Bürgermeister Hofmann, in dem die drei Problemfelder in aller Offenheit angesprochen und diskutiert wurden. Leider sind in keinem der drei Fälle Lösungsansätze in Sicht.
Am Wiesteweg sei - abgesehen von der Uneinigkeit in der Nachbarschaft - keine Anschlusserschließung zur Wieste hin gegeben. Ein Fußwegenetz sei angedacht, zugänglich evtl. von der Straße "Im Broken" aus.
Bezüglich der optischen Verbesserung des REWE-Marktes sei er in regelmäßigen Kontakt mit dem Verbrauchermarkt, der allerdings lediglich Mieter in dem Gebäude ist. Noch sei kein notwendiger Druck auf den Eigentümer respektive der Verwaltungsfirma ausgeübt worden, am jetzigen Zustand des Gebäudes etwas zu verändern.
Zum Rückbau der Großen Straße fehlt einfach das Geld. Die Dorferneuerungsmaßnahme sei abgeschlossen mit Ausnahme des Bereichs Busbahnhof/Schulvorplatz. Also ist von dieser Seite kein Geld zu erwarten.
Sehen Sie auch den Bericht in der Marktrundschau vom 22.09.10 und ein Foto von der Runde (H. Kahrs)!
| Verfügbare Downloads | Format | Größe |
|---|---|---|
| "Der Klotz muss weg" - Einigkeit beim SPD-Stammtisch / Lebhafte Diskusssion (Rundschau vom 22.08.10) | 231 KB |

Voller Tisch bei SPD-Treffen. Im Hintergrund links Stefan Bachmann neben Henning Haltermann.
1 Kommentar zu "Der Kasten muss weg"
Hermann Blome
1am 09. Dezember 2010 um 18:40 Uhr
Liebe Genossen !
Hallo Manfred !
Wie weit ist es denn mit dem Bahnhof ( Barrierefreiheit ) gekommen ?
Immer wenn ich Per Zug nach Ottersberg zurückkomme graut es mir vor der Brücke.
Das ist Gesetzlich nicht mehr zulässig!
Für Schwerbehinderte unmöglich.
Da muss der Bahn auch mal Daumenschrauben angelegt werden bevor die Gelder
in Stuttgart versickern.
Nicht aufgeben-weitermachen!
Gruss Hermann Blome
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